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Am 31. Oktober ist Reformationstag

von cft (Kommentare: 0)

Welche Auswirkungen hatte die Reformation auf die Entwicklung der westlichen Gesellschaft?

«Sola Scriptura» – Das Lutherdenkmal in Wittenberg, Deutschland

Die westliche Zivilisation ist mit dem grössten Ausmass an Freiheit, Produktivität und Wohlstand in der Geschichte der Menschheit gesegnet. Die freiheitliche Gesellschaftsordnung, unsere Rechtsgrundsätze sowie die Kreativität unserer westlichen Kultur gehen direkt auf die protestantische Reformation des 16. Jahrhunderts zurück. 

Getrieben von seinem ernsten Suchen nach Frieden mit Gott wie auch durch intensives Studium der Schriften, begann Martin Luther Bestehendes zu hinterfragen: etwa den Ablasshandel – also die Idee, dass das Heil käuflich sei – oder die mass-losen Aktionen zur Spendensammlung des Papsttums. So brachte er die Reformation ins Rollen. Luthers Liebe zum Worte Gottes und seine Hingabe zur Wahrheit führten ihn dazu, sämtliche kirchlichen und politischen Autoritäten der Römischen Kirche sowie des Heiligen Römischen Reiches he-rauszufordern. In seinem unglaublich mutigen Aufstehen gegen die vereinigten politischen und religiösen Mächte Europas argumentierte Luther für die Freiheit des Gewissens, auf der Grundlage der Autorität der Heiligen Schrift. Bis zu dieser Zeit war die absolute Gewalt der Herrschenden die verbreitete Praxis, sowohl in der Kirche wie auch im Staat, und zwar in allen Religionen und Kulturen. Diesem Gewaltmonopol hielten Martin Luther und andere Reformatoren entgegen, dass wegen der Verdorbenheit des Menschen niemand als unfehlbar angesehen werden konnte. Er verwarf Totalitarismus in der Gemeinde und stellte das Prinzip «Sola Scriptura», das heisst die Bibel ist die oberste Autorität, über alles.


Luther förderte die umfassende Bildung sowie die Lese- und Schreibfähigkeit der Menschen, indem er die Bibel aus den Originalsprachen Griechisch und Hebräisch in die damals allgemein verständliche sächsische Kanzleisprache übersetzte und diesen Text sowohl beim Adel als auch beim Bauerntum verbreitete. Gleichzeitig setzte er sich so auch für ein Priestertum aller Gläubigen, die Gewissensfreiheit und die Religionsfreiheit ein. Die protestantische Lehre vom Priestertum aller Gläubigen vertritt die Erkenntnis, dass alle Christen durch den Glauben einen unmittelbaren Zugang zum göttlichen Heil haben, ohne auf priesterliche Vermittlung angewiesen zu sein. Diese Erkenntnis wurde unter anderem zum Nährboden, auf dem sich moderne Staats- und Regierungsformen, wie z.B. die repräsentative Demokratie, entwickelten. Die Gleichheit aller Menschen vor Gott und vor dem Gesetz untergrub den Absolutheitsanspruch der Monarchen und Päpste, welche sich über das Gesetz gestellt hatten. Die Religions- und Gewissensfreiheit führten zur Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, um nur einige positive Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Freiheit zu nennen.

Die Reformation, die Europa vor 500 Jahren so grundlegend veränderte, gehört zweifellos zu den wichtigsten Epochen der Weltgeschichte. Sie gab uns die Bibel, welche jetzt in unserer eigenen Sprache frei erhältlich ist. Die meisten Sprachen dieser Erde wurden als Erstes von christlichen Missionaren vereinheitlicht und verschriftlicht. Christen haben mehr Schulen und Universitäten gegründet als Angehörige irgendeiner anderen Religion, Nation oder sonstigen Gruppierung. Es waren auch christliche Reformatoren und Missionare, welche hinter der Abschaffung von Sklaverei, Kannibalismus, Kinderopfer oder Hexenverbrennungen standen. Die grössten gesellschaftlichen Freiheiten gibt es heute in denjenigen Ländern, welche am meisten vom Evangelium Christi durchdrungen worden sind. Wir alle profitieren von dieser enormen Glaubens- und Freiheitsbewegung.

* Aus dem Englischen übersetzt, bearbeitet und gekürzt. Autor: Dr. Peter Hammond, Reformation Society, Kapstadt, Südafrika www.reformationSA.org

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