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Gewissensfreiheit – persönlich erlebt

von BG (Kommentare: 0)

Was eine Hebamme in ihrer Ausbildung 1991 erlebte, weil sie sich nicht an Abtreibungen beteiligen wollte. 

Bei der Aufnahmeprüfung zur Hebamme werde ich gefragt, wie ich zum Thema Abtreibung stehe. Ich erkläre, dass ich die Frauen mit allem Engagement so begleiten möchte, dass sie einen lebensbejahenden Weg gehen können. Ich werde einer werdenden Mutter nie etwas verabreichen, das dem ungeborenen Kind schadet. Somit würde ich eine Abtreibung nie ausführen können. Das Töten des Ungeborenen kann nicht die Lösung für das Problem der ungewollten Schwangerschaft sein. Drei Tage später bekomme ich einen Telefonanruf, die Verantwortlichen der Hebammenschule würden mich gerne in den nächsten Kurs aufnehmen. Sie erklären mir, dass sie mich so einschätzen, dass ich mit Herz, Hand und Verstand zupacken könne. Es sei nur die Sache mit der Abtreibung, aber das sei ja gar kein Problem, ich solle jetzt am Telefon nur Ja sagen, dass ich bereit sei, bei Abtreibungen mitzuwirken. Dann sei alles geregelt, es komme während der Ausbildung wahrscheinlich gar nie vor. Ich sage Nein. Die Verantwortlichen erwähnen noch, dass sie nur alle zwei Jahre eine Teilnehmerin mit meiner Haltung verkraften können.

So warte ich zwei Jahre. Während der Ausbildung, als ich schon viel Interessantes und Erfreuliches im Gebärsaal mit den Frauen und Kindern erlebt habe, frage ich einen Oberarzt, bei dem mir besonders aufgefallen ist, wie sehr er sich für die Mütter und Kinder engagiert, wie er persönlich mit der Abtreibungsproblematik umgehe. Er schaut mich an, seine Gesichtsfarbe verändert sich und er meint: «Wenn Sie weiterkommen wollen in Ihrem Beruf und in Ihrem Leben, dann müssen Sie von jetzt an etwas lernen und das ist: Schweigen! Schweigen Sie…» Und etwas später beim Weggehen fügt er hinzu: «Für das habe ich einen weissen Ärztekittel.» – Gewissensfreiheit in der Schweiz?

 

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