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Ulrich Zwingli und die Reformation

von MB (Kommentare: 0)

Der Reformator prägte das Fundament der modernen Schweiz

Huldrych Zwingli – Portrait von Hans Asper, 1549

Ulrich Zwingli wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus im Toggenburg geboren. Er kam aus einer wohlhabenden Bauernfamilie, die seit Generationen öffentliche Ämter belegt hat-te. Sein Vater war Ammann und konnte es sich leisten, den begabten Jungen mit 10 Jahren nach Basel zu schicken, wo er seine weiterführende schulische Lauf-bahn begann. Nach Studien in Wien und Basel, wo Zwing-li auf den Humanisten Erasmus von Rotterdam traf, der ihn entscheidend beeinflusste, trat der nun 22-Jährige seine erste Stelle als Pfarrer an. 10 Jahre dien-te er in Glarus, doch 1515, als er eine Gruppe von Schweizer Söldnern in der Schlacht von Marignano begleitete, wendete sich der Fokus seines Da-seins drastisch. Die sinnlosen Verluste der Schweizer Söldner in der Schlacht machten ihn forthin zum lautstarken Gegner des Söldnerwesens.

In seiner Tätigkeit als Leutpriester am Zürcher Grossmünster konnte Zwingli seine reformatorischen Ziele erfolgreich verfolgen. Mit der Unterstützung des städtischen Rates gelang es ihm, die Rückbesinnung auf den biblischen Text und die Reform der Kirche in Zürich und weit darüber hinaus durchzusetzen. Der Konflikt zwischen den nun reformierten Zürchern und den katholischen Innerschweizern, welcher von Zwingli aktiv verfolgt wurde, führte 1531 zur Schlacht bei Kappel, in welcher der Reformator starb.

Im Herbst 1522 erschien Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes und nur wenige Monate später war dieses bereits in Basel erhältlich. Doch die Schweizer hatten mit Luthers Deutsch derart Probleme, dass schon bald das Bedürfnis nach einer Fassung aufkam, die im alemannischen Sprachraum besser verständlich wäre. Dieser Aufgabe nahmen sich Zwingli und seine Mitarbeiter an. 1525 wurde in Zürich die «Prophezei» eingerichtet, in der täglich (mit Ausnahme der Sonn- und Frei-tage) ein Stück der Bibel in der griechischen und lateinischen Fassung gelesen, ausgelegt und schliesslich übersetzt wurde. Da die Übersetzer zum Teil bereits auf Luthers deutsche Version zurückgreifen konnten, kamen sie sehr schnell vorwärts. Sie veröffentlichten den Text in mehreren Teilen und arbeiteten sich bis 1529 durch den gesamten Text. Schon 1531 konnten sie eine vollständige Fassung herausgeben. Luthers Bibelübersetzung wurde erst 1534 fertig gestellt, drei Jahre später. Dank des von Gutenberg eingeführten neuen Druckverfahrens, war die Zürcher Bibel auch für das Volk erschwinglich. Die Zürcher Bibel wurde seit dem 16. Jahrhundert immer wieder überarbeitet und wird heute noch für ihre hohe sprachliche Akkuratesse geschätzt.

Zwingli wird weltweit als einer der grossen Reformatoren gesehen. Neben Luther und Calvin hatte er wahrscheinlich den grössten Einfluss auf die Entwicklung und Ausbreitung der reformierten Kirche. Zwingli war europaweit vernetzt, obwohl sein eigener Fokus in der Schweiz lag; so übte z.B. Erasmus von Rotterdam einen der wichtigsten Einflüsse auf Zwingli während seines Studiums in Basel aus. Der niederländische Humanist beeinflusste jedoch nicht nur Ulrich Zwingli, sondern auch Martin Luther. Dieser verwendete Erasmus’ kritische Ausgabe des Neuen Testaments auf Griechisch und dessen lateinische Übersetzung um seine Übersetzung ins Deutsche zu verfassen. Zwingli pflegte zudem einen regen Kontakt mit anderen Theologen, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland (z.B. Strassburg, Konstanz, Augsburg, u.w.) und so konnten die revolutionären Ideen der Reformation zuerst in Europa und anschliessend auch in Übersee Fuss fassen. Besonders sein Nachfolger, Heinrich Bullinger, half dabei, die Reform der Kirche und die Rückbesinnung auf die ursprünglichen biblischen Texte bis weit über die Schweizer Grenzen hinaus zu verbreiten. 

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