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Wenn nur sexuelle Lust übrig bleibt

von cft (Kommentare: 0)

Dominik Lusser, Stiftung Zukunft CH
Über die Schiene der schulischen Sexualkunde läuft derzeit ein regelrechter Kulturkampf. Es geht dabei nicht nur um schamverletzende Bilder oder um sprachliche Enthemmung der Schüler. Die Sexualpädagogik der Stunde ist nichts weiter als in Pädagogik gegossene Gender-Ideologie. Das momentan wohl gefährlichste Instrument dabei sind die sogenannten „WHO-Standards für die Sexualaufklärung in Europa“. Mittlerweile kämpfen 70 Organisationen unter der Leitung von Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGS) für die Umsetzung dieses gefährlichen Papiers in der Schweiz. Doch Widerstand mit klugen Argumenten ist nicht zwecklos.
Die WHO-Standards kommen als scheinbar breit abgestütztes Dokument daher. Tatsächlich aber handelt es sich um ein Strategiepapier der „International Planned Parenthood Federation“ (IPPF), der weltweit grössten Lobby-Gruppe für tabulose sexuelle Selbstbestimmung. SGS ist das Schweizer Mitglied dieser Organisation, die unter dem Label einer UN-Organisation ihre Ideologie verbreitet. Zudem stellen die Standards einen dreisten zweiten Versuch dar, ein in der Schweiz bereits verworfenes sexualpädagogisches Konzept – nämlich das „Grundlagenpapier Sexualpädagogik und Schule“ (2008) des Luzerner Kompetenzzentrums – in die Schweizer Schulen zu schleusen.

„Sexuelle Vielfalt“ als Leitbild

Was aber wollen diese Standards? Zweigeschlechtlichkeit und heterosexuelle Norm sollen in ihrer Bedeutung relativiert, Ehe und natürliche Familie durch eine „Vielfalt“ von beliebigen Lebensformen ersetzt werden. Weil alle Lebensweisen angeblich gleichwertig sind, reissen die WHO-Standards die Sexualität aus allen für den Menschen bedeutsamen Natur- und Lebenszusammenhängen heraus: stabile und treue Beziehungen, Ergänzung der Geschlechter, Fruchtbarkeit, natürliche Familie als bester Ort für das Aufwachsen von Kindern. Mit all dem soll Sexualität nur noch beiläufig zu tun haben. Stattdessen wird Sex als „Energiequelle für Lebensmut und Wohlbefinden auch unabhängig von Ehe und Liebe in allen Altersphasen“ propagiert, wie Uwe Sielert, Chef-Ideologe der deutschsprachigen Sexualpädagogik, formuliert. Übrig bleibt nur die sexuelle Lust. Sie ist der gemeinsame Nenner jener „Vielfalt“ an Lebensformen, die als neues gesellschaftliches Leitbild ins Zentrum der Sexualpädagogik rücken soll.
Moral wird dabei auf den Gebrauch von Kondomen und das Prinzip der Einvernehmlichkeit reduziert. Die daraus resultierende Verhandlungsmoral wird von den WHO-Standards indoktrinär „als gültige Sexualmoral der Gegenwart“ propagiert. Dahinter steckt ein Werterelativismus, für den selbst gesichertes Wissen über die Schädlichkeit von Pornokonsum oder die verheerenden Folgen von Seitensprüngen keine Rolle mehr spielt. „Politisch, kulturell und religiös motivierte“ Widerstände gegen diese Art Sexualpädagogik werden kurzerhand als „Fundamentalismus“ disqualifiziert. Denn sie stehen der Emanzipationsideologie von IPPF und SGS entgegen, die Kinder und Jugendliche im Sinne der 1968er-Bewegung von allen tradierten Wertvorstellungen befreien sollen.

Feind eines glücklichen Lebens

Kinder und Jugendliche sollen durch sexuelles Experimentieren selber herausfinden, „was sie mögen und was nicht“: „Auf gleiche Weise entstehen auch ihre Normen und Werte in Bezug auf Sexualität. “ Anstatt Schülern Orientierung an die Hand zu geben, kommt der Sexualpädagogik nur noch die Rolle zu, die ganze Bandbreite der Lustmöglichkeiten darzustellen und zum Ausprobieren zu ermutigen. Dass diese Art Pädagogik der Feind eines glücklichen Lebens und der langfristigen Lebensziele Jugendlicher – wie dauerhafte Beziehung, Familie und Kinder – ist, liegt auf der Hand.
Einer gesunden Sexualpädagogik müsste es darum gehen, Jugendliche bei der Integration der Sexualität in ihre Gesamtpersönlichkeit und Beziehungsfähigkeit zu unterstützen. Denn man muss keineswegs ein Purist sein, um sich auch in einer pluralistischen Gesellschaft zu fragen, was in Sachen Sexualität mehr oder weniger bekömmlich ist. Das wird deutlich, wenn man die ideologische Sonderwelt der gegenwärtigen Sexualpädagogik mit anderen Bereichen der Gesundheitsvorsorge vergleicht. Mir jedenfalls ist niemand bekannt, der die Warnung, 12 Dosen Energy Drink am Tag seien zu viel, als Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht versteht. Im Gegenteil ermöglicht erst ein breites Wertewissen, das auch die Konsequenzen bestimmter Verhaltensweisen einschliesst, einen verantwortlichen Umgang mit der eigenen Freiheit.
 
Eine detaillierte Kritik der WHO-Standards, die Zukunft CH derzeit in Umlauf bringt, ist verfügbar unter:
http://www.zukunft-ch.ch/de/publikationen/infoblaetter_und_dossiers

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