Von drei Entscheiden hängt in den USA massgeblich ab, ob jemand in Armut lebt oder nicht. Sind diese Bedingungen erfüllt, gelingt in der Regel der Sprung in die Mittelklasse.

Von Christoph Eisenring

 

Aus der NZZ vom 8. August 2012

Von drei Entscheiden hängt in den USA massgeblich ab, ob jemand in Armut lebt oder nicht. Wer mindestens einen High-School-Abschluss besitzt, Vollzeit arbeitet und bis zum 21. Geburtstag wartet, bis er ein Kind hat und davor geheiratet hat, dem sollte der Sprung in die Mittelklasse gelingen. Die Statistik ist jedenfalls frappierend: Wer diese drei Kriterien erfüllt, fällt nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 2% unter die Armutsgrenze und schafft es mit 72% mindestens in die Mittelklasse (Haushaltseinkommen von über 65 000 $, was dreimal der Armutsgrenze entspricht). Fast spiegelbildlich sieht es aus für Personen, auf die keines der drei Merkmale zutrifft: Sie fallen mit einer Wahrscheinlichkeit von 77% unter die Armutsschwelle und gehören nur in 4% der Fälle der Mittelklasse an.

Berechnet haben dies Isabel Sawhill und Ron Haskins von der Brookings Institution. Sawhill hatte in den neunziger Jahren für Präsident Clinton gearbeitet, Haskins kurzzeitig für Präsident George W. Bush. Wenn derzeit gleich viele Erwachsene verheiratet wären wie 1970, so Haskins, fiele die US-Armutsquote um ein Viertel geringer aus, stünde somit bei 10,7% statt bei 14,3% (Werte für das Jahr 2009). Dies hat damit zu tun, dass das Armutsrisiko für Kinder mit einer alleinerziehenden Mutter viermal höher ist als für Kinder mit verheirateten Eltern. In den USA werden 72% der Kinder von Schwarzen und 53% der Bébés von Hispanics unehelich geboren.

Solche Zahlen sprechen nicht gegen eine soziale Mindestsicherung durch den Staat. Sie machen aber deutlich, dass der Einzelne mit seinen Entscheiden das Armutsrisiko massgeblich verringern kann – viel mehr jedenfalls, als dies der Staat mit Transfers je wird tun können. Das Fazit des Brookings-Forschers Haskins fällt deshalb eindeutig aus: Der Kampf gegen Armut und für Chancengleichheit werde ein mühseliges Unterfangen bleiben, solange junge Leute nicht lernten, bessere Entscheide für ihr Leben zu treffen.

 

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