Dürfen wir in unserer Zeit offen unsere Standpunkte vertreten?

Um diese Frage drehten sich die Referate der Jahreskonferenz von cft. Medien berichten selektiv. Daher gilt es vor allem, das Ungesagte zwischen den Zeilen herauszulesen.

Von Sina Martinelli

Mit dem Thema «Meinungsfreiheit – eine Illusion?» hat cft an der Jahreskonferenz, die am 21. April stattfand, eine aktuelle Thematik aufgegriffen. Rund 150 Personen lauschten den vier Gastreferenten aus den Bereichen Medien, Wirtschaft und Kirche. Die Referenten wussten das Publikum auf eine packende und unterhaltsame Art anzusprechen. Die Vorträge inspirierten, informierten und rüttelten auf mit der immer gleichen Kernbotschaft: Es liegt an uns, die Meinungsfreiheit mitzugestalten!

Meinungsfreiheit ist kein neues Konstrukt und von Sokrates über Erasmus von Rotterdam bis Voltaire traten immer wieder mutige Persönlichkeiten für sie ein. Dennoch dauerte es bis 1999, als die Meinungsfreiheit erstmals explizit in der Schweizer Bundesverfassung erwähnt wurde. Johannes Läderach zeigte anhand von historischen und aktuellen Beispielen auf, dass sich das Ausmass an Meinungsfreiheit im Laufe der Zeit kaum verändert hat. Noch immer werden die gleichen Methoden angewendet, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken: Zensur, Diffamierung oder gar Gewalt. In Diskussionen werde oft die Person angegriffen, und nicht deren Argumente. Läderachs Schlussbemerkung: «Meinungsfreiheit ist die Freiheit, die wir uns nehmen!»

Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur, verglich die Meinungsfreiheit in Europa metaphorisch mit einer therapeutischen Zweiklassengesellschaft. Die selbsternannte Elite in Politik und Gesellschaft als «Therapeuten», die übrigen Bürger als «Patienten». Die «Therapeuten» hätten eine moralische Autorität und verabreichten als Medikament die «political correctness». Denn laut den «Therapeuten» sei moralisch richtig, was vermeintlich viele unterstützten. Menschen, die den Mainstream ablehnten, fänden kaum mehr Gehör. Was können wir konkret dagegen tun? «Sei ein Priester deiner eigenen Existenz», sagte Gracia. Er ermutigte, Leserbriefe zu schreiben und die Politik der Bevormundung zu thematisieren, ohne dabei zu moralisieren.

Journalist Matthias Mattusek las dem Publikum Ausschnitte seines Buches «White Rabbit oder der Abschied vom gesunden Menschenverstand» vor. Äusserst wortgewandt schilderte der heutige Autor und «Weltwoche»-Journalist von seinen Erfahrungen als langjähriger Mitarbeiter beim «Spiegel» und bei der Tageszeitung «Die Welt». Für seine kritischen Meinungsäusserungen in der Diskussion rund um Homosexulität oder zur Flüchtlingsdebatte in Deutschland musste und muss er bis heute viel Kritik einstecken.

Fränzi Stegen erinnerte daran, dass wir nicht unsere Meinung, sondern Gottes Meinung vertreten sollen. Dafür benötigten wir Gottes Geist und eine lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer. Es brauche Gottes Weisheit, um zu wissen, wann und wie man etwas sagen solle. Was sind unsere Motive, was treibt uns zum Reden an? Als Botschafter(in) Christi hat jede(r) von uns eine grosse Verantwortung. Sie machte den Anwesenden aber auch Mut mit Matthäus 28, 20, wo Jesus sagt: «Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.»

Die vier Vorträge regten zum Nachdenken an. Moderator Urs Hunziker führte abwechslungsreich durch den Tag und zwei musikalisch hochstehende Darbietungen mit Cello und Klavier sorgten für Besinnlichkeit. Daniel Regli stellte den «Marsch fürs Läbe» vor, an dem sich cft mit anderen Organisationen aktiv für das ungeborene Leben einsetzt. Die Tagung endete mit einer angeregten Podiumsdiskussion zum Thema und dem Schlusswort des Präsidenten Jürg Läderach.

Informiert bleiben!

 

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