In einem im April dieses Jahres veröffentlichten Bericht gibt die Fachstelle für Sektenfragen, InfoSekta, ihre Analyse zu 21 christlichen Erziehungsratgebern zum Besten.

Unterstützt wurde sie von der Stiftung Kinderschutz, welche von Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP/ZH) präsidiert wird. Die Studie wurde mit öffentlichen Geldern des Bundesamtes für Sozialversicherung, dem SwisslosFonds des Kantons Aargau sowie einem Fonds des Kantons Solothurn finanziert.

In ihrer Studie katalogisiert InfoSekta das evangelikale Erziehungsverständnis in die vier Typen dogmatisch-machtorientiert, dogmatisch-wahrheitsorientiert, autoritativ-dogmatisch und autoritativ-partizipativ. Dabei wird ein Fokus auf die Anwendung von physischer und psychischer Gewalt gelegt. Bei drei der vier Verständnisse wird laut InfoSekta die Akzeptanz von körperlicher Züchtigung in wohl unterschiedlichem Masse festgestellt. Körperstrafe ist heute ein Tabu-Thema. Sie gilt generell als inakzeptabel, eine differenzierte Betrachtung wird nicht zugelassen. Dies stigmatisiert die Christen regelrecht und verpasst ihnen einen gesellschaftlich verordneten Maulkorb.

Äusserst problematisch ist der Gesichtspunkt der Studie, welcher die Glaubensvermittlung im Elternhaus in den Bereich von psychischer Gewaltanwendung ansiedelt. Sie unterwandert nach Ansicht von InfoSekta die Autonomie des Kindes. So fragt man sich, wie es die Fachstelle denn mit den Angehörigen von anderen Religionen handhaben will. Wenn ein Jude seinem Kind den Glauben seiner Väter weitergibt, wird hier die Autonomie des Kindes nicht tangiert? Schon die Überlegung ist widersinnig und widerspricht der von der Verfassung garantierten Glaubens- und Gewissensfreiheit.

In der vergangenen Sommersession des Nationalrats hat SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr eine Anfrage an den Bundesrat gerichtet mit dem Titel: „Gewalt in der Erziehung. Wie stoppen?“ Darin stellt Fehr die Frage, ob der Bundesrat gewillt sei, eine Auflistung von literarischen Ratgebern, Erziehungskursen oder Online-Angeboten zu erstellen, welche zur Anwendung von körperlicher Gewalt aufrufen. Weiter will sie wissen, was der Bundesrat für rechtliche Schritte unternehme gegen öffentliche Aufrufe zur Gewalt an Kindern „wie sie beispielsweise in verschiedenen evangelikalen Erziehungsratgebern zu finden sind oder in entsprechenden Kursen vermittelt werden“.

Als Letztes wollte Fehr wissen, mit welchen Massnahmen der Bundesrat das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung durchsetzen wolle.

(http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20131022)

Der Bundesrat hat am 07. Juni geantwortet, die Anfrage von Fehr begrüsst und den Bericht von InfoSekta, den der Bund mitfinanziert hat, gewürdigt. In seiner Stellungnahme lehnt der Bundesrat die Schaffung des geforderten Literaturverzeichnisses ab.

Zum Punkt des öffentlichen Aufrufs zu Gewaltanwendung an Kindern wurde auf das bestehende bundesrechtliche Instrumentarium verwiesen, dessen Vollzug und Anwendung jedoch den Kantonen obliegt.

Aufhorchen lässt die Antwort auf die Frage nach der Durchsetzung der gewaltfreien Erziehung. Dazu antwortet der Bundesrat: „Als Grundsatz wird in Artikel 296 Absatz 1 E-ZGB festgehalten, dass die elterliche Sorge dem Wohl des Kindes zu dienen hat. Ferner soll in Artikel 311 E-ZGB neu Gewalttätigkeit explizit als Grund aufgeführt werden, der die Kindesschutzbehörde ermächtigt bzw. verpflichtet, dem gewalttätigen Elternteil die elterliche Sorge zu entziehen.“ Wenn dies wörtlich genommen wird, kann der ominöse „Klapps auf den Hintern“ der Verlust des elterlichen Sorgerechts bedeuten.

Versetzt man sich nur 40 Jahre zurück und denkt an das damalige Erziehungsumfeld, muss man sagen: Wir sind alle Nachkommen von Gross- und Urgrosseltern, welchen seinerzeit das Sorgerecht hätte entzogen werden sollen. Es kann doch nicht sein, dass wir von einer Gesellschaft von „prügelwütigen Monstern“ abstammen!

Es kommt einer Verunglimpfung unserer Vorfahren gleich, denen wir unseren heutigen Wohlstand verdanken. Sie haben Opfer und Verzicht auf sich genommen und vermittelten uns Werte wie Gottesfurcht und Achtung vor dem Mitmenschen.

Was jedoch paradox anmutet, ist die Gewaltbereitschaft in der heutigen Gesellschaft. Wenn man an die Verwüstungen denkt, welche Bern und Zürich in jüngster Zeit über sich ergehen lassen mussten, fragt man sich, ob die Täter auch eine gewaltfreie Erziehung genossen haben? Sie scheinen auf jeden Fall die Grenzen nicht zu kennen. Demgegenüber steht eine Staatsgewalt, die nicht mehr fähig ist, das Eigentum des Bürgers vor Zerstörung zu schützen. Sie selbst gerät ins Zwielicht, wenn sie mit der Anwendung von Gewalt der Unruhe begegnet.

Christen stehen in Gefahr, die Courage zu verlieren und sind eingeschüchtert, wenn es um das Thema Erziehung geht. Vielmehr sollten wir uns für ein Recht auf die Vermittlung der christlichen Werte einsetzen. Es darf nicht sein, dass christliche Erziehung automatisch mit Gewaltanwendung in Verbindung gebracht wird. Unser Autoritätsbild ist völlig in Schieflage geraten. Darum sind auch Ehrfurcht und Respekt vor dem Schöpfer von Himmel und Erde auf dem Rückzug. Wo es aber an Gottesfurcht fehlt, wird das Volk wild oder wie es in den Sprüchen Salomons heisst (Kap 29:18, Schlachter 2000) „Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk zügellos, aber wohl ihm, wenn es das Gesetz bewahrt!“

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