Dem Einsatz einzelner, mutiger Menschen ist es zu verdanken, dass viele gesellschaftliche Missstände wirksam behoben wurden. Der grösste Teil von ihnen war von einem tiefen Glauben an Gott beeinflusst und hatte die rettende Kraft des Evangeliums erfahren. Trotz vieler Widerstände und Verfolgung liessen sie sich nicht von ihrem inneren Anliegen abbringen und suchten das Beste für die Menschen und das Land.

Heute ist man leicht geneigt, im Angesicht des allgemeinen Niedergangs der christlichen Werte in eine Gleichgültigkeit zu versinken. Viele resignieren und nehmen es hin, dass die Zeiten sich ändern und die Entfernung von der Lebensgrundlage, wie sie durch die Bibel vermittelt wird, zunimmt. Man hat sich mit der Zunahme eines neuen Heidentums abgefunden. Zu den Regierungsbehörden und der öffentlichen Verwaltung hat man ein gespaltenes Verhältnis und sieht sich durch das Fehlverhalten wichtiger Personen des öffentlichen Lebens bestätigt.

Christen beklagen sich, wenn in der Volksschule der kirchliche Religionsunterricht abgeschafft und durch das Fach „Ethik“ ersetzt wird. Doch schenkt man den ernüchternden Tatsachen, vor denen die Schulbehörden stehen, wenig Beachtung. Viele bekunden Mühe, in der Oberstufe genügend Schüler zu finden, die überhaupt noch einer christlichen Konfession angehören. Wir müssen erkennen, dass das nächste Missionsfeld nicht in fernen Ländern liegt, sondern vor der Haustüre beginnt. Unsere Zeit ist bald mit jener der ersten Kirche vergleichbar: Christen sind eine Minderheit!

Paulus, der mit all diesen Herausforderungen konfrontiert war, gab den jungen Gemeinden jedoch einen Auftrag, der für ihn eine zentrale Bedeutung hatte. Trotz der vielen Widerstände, welche er von behördlicher wie auch gesellschaftlicher Seite erfuhr, forderte er die Christen auf zur Fürbitte für die Regierungen, Autoritäten sowie für alle Menschen, „damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit“ (1. Tim. 2:1-4). Diese Aufforderung wird getragen vom Wunsch, Gottes Willen zu entsprechen, der das Heil aller Menschen im Zentrum hat.

Die Verantwortung der Gläubigen, Fürbitten, Flehen und Danksagung für Regierungen und Obrigkeiten vor Gottes Thron zu bringen, ist keine neutestamentliche Festlegung. Schon im Alten Testament findet sich im Buch Jeremia die Aufforderung an die Juden, welche nach Babylon verschleppt wurden, das Wohl der Stadt zu suchen und Fürbitte zu leisten, „denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden finden“ (Jeremia 29:7). Unser Schöpfer-Gott will, dass die an ihn Gläubigen beten und sich einsetzen an dem Ort, wo sie leben. Die Umstände spielen keine Rolle.

Wir sind heute von dieser Verantwortung nicht ausgenommen und sollten aus dem Glauben die Kraft schöpfen, welche uns ermöglicht, für die Verantwortlichen in unserem Land zu beten. Dies, obwohl Gesetze und Beschlüsse gefasst werden, die uns nicht gefallen. Jesus selbst gab uns das Beispiel, indem er für seine Peiniger betete und zu Gott um Vergebung für sie flehte. Gottes Wort verheisst uns, dass das Gebet eines Gerechten viel bewirken kann (Jak. 5:16). Das Gebet ist eine verborgene Sache und Jesus spricht uns zu, dass der Vater, der ins Verborgene sieht, es belohnen wird (Mat. 6:6+7).

Mögen wir uns dieser Verantwortung zum Gebet für die Regierung und die Verantwortlichen nicht entziehen, sondern ihr nachkommen. Dann kann Glaubensfreiheit und Gottes Segen einem Land erhalten bleiben. Doch die Voraussetzung dafür ist ein Herz, das nicht von Groll, Zorn und Nachtragen beherrscht wird. Solange dies der Fall ist, wird man nicht fähig sein, überhaupt zu beten. Doch wenn wir die vergebende Kraft des Evangeliums von Jesus in Anspruch nehmen, werden wir auch die Befreiung erleben, welche uns befähigt, trotz des Widerstands dieser Zeit zu beten und das Wohl unseres Landes zu suchen. Dann werden wir auch erkennen können, dass wir in einem Land leben, in dem eine zuverlässige öffentliche Verwaltung ihre Arbeit verrichtet. Die meisten Behördenvertreter haben nach wie vor das Wohl des Bürgers vor Augen. Grundsätze wie Treu und Glauben haben ihre Gültigkeit. Dies lernt man schätzen, wenn man auf Reisen in andern Ländern die Kehrseite kennenlernt, wenn eine Bevölkerung unter Korruption und Willkür zu leiden hat. Wir haben die Möglichkeit, jeden Sonntag einen Gottesdienst in Freiheit und ohne Angst zu besuchen. Dies ist ein Grund zur Dankbarkeit gegenüber Gott und auch gegenüber den Menschen, die in der Verantwortung stehen. Sie respektieren und garantieren diese Freiheit. Traurig wäre es, wenn man erst feststellt was man hatte, wenn es verloren ist. Deshalb hat das Anliegen von Paulus heute noch seine Aktualität.

„Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde auffordere, ist das Gebet. Es ist unsere Aufgabe, mit Bitten, Flehen und Danken für alle Menschen einzutreten, insbesondere für die Regierenden und alle, die eine hohe Stellung einnehmen, damit wir ungestört und in Frieden ein Leben führen können, durch das Gott in jeder Hinsicht geehrt wird und das in allen Belangen glaubwürdig ist.“ (1.Tim. 2:1+2, Neue Genfer Übersetzung)

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