„Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Strahlenmeer … mit diesen andächtigen Worten beginnt der Schweizerpsalm, welcher 1961 zur provisorischen, seit 1981 vom Bundesrat zur offiziellen Landeshymne erklärt wurde.

Seit längerer Zeit ist die Hymne wegen ihres Texts in Frage gestellt und einiger Kritik ausgesetzt. Schon Ende der neunziger Jahre und anfangs des neuen Jahrhunderts sollte eine neue, der Zeit angepasste Hymne den Schweizerpsalm ersetzen. Aktuell will die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft mittels eines im Januar 2014 lancierten Wettbewerbs einen neuen, modernisierten Text für die Hymne finden. Die alte Melodie soll jedoch erhalten bleiben. Den Siegertext des Wettbewerbs möchte die Gemeinnützige Gesellschaft dem Bundesrat als neue Hymne vorgeschlagen.

Unsere Hymne - ein Erbe aus der Zeit des Kulturkampfes

In der Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte im neu geordneten Staatenbund der Eidgenossenschaft, der vom Wiener Kongress 1815 als souveränes Land anerkannt wurde, ein Kulturkampf zwischen den liberal-radikalen und den vorwiegend katholisch-konservativen Exponenten. Diese Spannungen führten schlussendlich zum Sonderbundskrieg, der mit der Niederlage der katholischen Kantone endete.
In diesem Umfeld entstand 1841 der Schweizerpsalm als ein Werk mit dem Text des liberal gesinnten Leonhard Widmer (1808 – 1868) aus Zürich und der Musik des katholischen Alberich Zwyssig (1808 – 1854), einem Zisterziensermönch des Klosters Wettingen.
Die beiden Männer kamen durch ihre musische Betätigung Ende 1830 miteinander in Kontakt. Widmer betrieb in Zürich ein Lithographiegeschäft und verkaufte unter anderem Abdrucke von Liedern und Musikstücken. Doch der Konflikt jener Zeit, der unter anderem zur Auflösung des Klosters Wettingen führte, trennte die beiden wieder. Widmer unterstützte als Liberaler die Auflösung der Klöster, was Zwyssig als Konservativer nicht akzeptieren konnte.
Widmer selbst war auch ein passionierter Liederdichter. Mit der Zeit litt er unter der Zerrissenheit und den Unruhen, die das Land durchzogen. Die Konflikte und die Glaubensstreitigkeiten schmerzten ihn sehr. Er sah im Liedgut eine Möglichkeit, die Zwiste zu überwinden. Er hoffte auf eine nationale Einheit der Schweiz. Dieses Sehnen nach Einheit und Frieden fand im Text des Schweizerpsalms ihren Ausdruck. 1841 soll Widmer diesen Text im „Unterhaltungszirkel zur Biene“ vorgetragen haben. Der Text verfehlte seine Wirkung nicht. Einer der Anwesenden gab den Text ohne Wissen Widmers an Alberich Zwyssig weiter mit dem Auftrag, eine Melodie dafür zu komponieren. Dieser war selbst vom Text angetan. Er erinnerte sich an eine eigene, frühere Komposition eines Messegesangs, die zu Widmers Gedicht zu passen schien. Zwyssig nahm Briefkontakt mit Widmer auf und nach einigen geringen textlichen Korrekturen war der Schweizerpsalm als Lied geschaffen. Noch im selben Jahr soll das Lied öffentlich vorgetragen worden sein. 1843 war das Lied im „Festheft der Zürcher Zofinger für die Feier der Aufnahme Zürichs 1351 in den Schweizerbund“ abgedruckt und die Melodie gewann schnell an Popularität. Der alte Zwist zwischen Zwyssig und Widmer war überwunden und die beiden blieben zeitlebens eng verbunden.

Eine würdige Hymne

Wenn man die Umstände der Entstehung des Schweizerpsalms bedenkt und dessen versöhnende Auswirkung, sollte dies uns überzeugen, an unserer Landeshymne in ihrer gegenwärtigen Form festzuhalten. Sie ist ein Werk, aus welchem die Kraft hervorging, konfessionelle und ideelle Gräben zu überwinden
Ihr Text erkennt die wahre Wurzel, welche unser Land erhalten kann – unseren Schöpfer, Gott den Allmächtigen. Wenn wir diesen Bezug verlieren, ist auch der Segen in Gefahr, den unser Land seit vielen Jahren erleben durfte.
Die bisherigen Anläufe zur Änderung der Landeshymne sind gescheitert. Der Bundesrat hat in der Vergangenheit dem Schweizerpsalm seine Würde und Beliebtheit im Volk attestiert.
Wir sollten den Rat der deutschen Bundeskanzlerin Merkel ernst nehmen, den sie anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bern auf die Frage gab, wie sie die Gefahr des Islamismus sehe. Sie riet den Anwesenden, sich auf die eigenen Wurzeln, das Christentum, zu besinnen und auch zum Glauben zu stehen. Weiter forderte sie auf, persönlich wieder bibelfester zu werden oder „mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen“ (Bericht SRF Info, 3.9.15; https://www.youtube.com/watch?v=xCdMvJaMCj8).
Deshalb sollten wir uns daran erinnern, dass unsere Hymne aus einer Zeit stammt, in welcher unser Land durch Konflikte zerrissen war. Sie ist Ausdruck der Sehnsucht nach Frieden und Einheit, die wir nur durch Gottes Segen bekommen können. Weiter dürfen wir die Aufforderung der Hymne nicht vernachlässigen: Betet, freie Schweizer, betet! Eure fromme Seele ahnt Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

Originaler Text des Schweizerpsalms von Leonhard Widmer 1840

Text nach der Vortonung durch Alberich Zwyssig

Trittst im lichten Morgenrot daher,
Hocherhabener!
Und ich such in seinem Strahlenmeer
Dich, du Herrlicher!
Wenn der Firn sich rötet,
Betet, Schweizer, betet!
Nahe, nahe ist euch Gott
In der Berge Morgenrot!
Ja, die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland!
Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Trittst im Abendglüh’n daher,
Ewig Liebender!
Und ich suche dich im Sternenheer,
Menschenfreundlicher!
In des Himmels Räumen
Soll ich selig träumen,
Träumen von der Gottheit Ruf,
Die mich ewig frei erschuf.
Ja, die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland!
Kommst im Abendglühn daher,
Find’ich dich im Sternenheer,
Dich, du Menschenfreundlicher, Liebender!
In des Himmels lichten Räumen
Kann ich froh und selig träumen!
Denn die fromme Seele ahnt
Denn die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Trittst im grauen Nebelmeer,
Gott, verhüllt daher!
Und ich suche dich im Wolkenheer,
Unergründlicher!
Aus dem Luftgebilde
Tritt die Sonne milde.
Grüsset, grüsset froh das Licht,
Das für euch durch Wolken bricht!
Ja, die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland!
Ziehst im Nebelflor daher,
Such’ich dich im Wolkenmeer,
Dich, du Unergründlicher, Ewiger!
Aus dem grauen Luftgebilde
Tritt die Sonne klar und milde,
Und die fromme Seele ahnt
Und die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Trittst im wilden Sturm daher,
Starker Waltender!
Und ich suche bei Dir Hülf’ und Wehr,
Allerrettender!
Wenn es ringsum wittert,
Berg und Tal erzittert,
Fass’ ich frohen, frischen Mut,
Gott, der Väter Gott, ist gut!
Ja, die fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland!
Fährst im wilden Sturm daher,
Bist du selbst uns Hort und Wehr,
Du, allmächtig Waltender, Rettender!
In Gewitternacht und Grauen
Lasst uns kindlich ihm vertrauen!
Ja, die fromme Seele ahnt,
Ja, die fromme Seele ahnt,
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

Informiert bleiben!

 

(*)
?

(*)
?

(*)
?

(*)
?

(*)
?

(*)
?

(*)
?

(*)
Invalid Input