Am 11. Juni 2020 hat der Nationalrat mit 132 Ja-Stimmen zu 52 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen der Vorlage zugestimmt. Damit eingeschlossen, erlaubt der Nationalrat auch die Samenspende für lesbische Paare.

 

Ein gewichtiges Traktandum der diesjährigen Sommersession des Nationalrates war die Behandlung der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle». Bisher stand gleichgeschlechtlichen Personen in der Schweiz die eingetragene Partnerschaft als rechtliches Mittel ihrer Verbindung zur Verfügung. Mit der parlamentarischen Initiative sollte nun die Ehe für Gleichgeschlechtliche geöffnet werden. Am Vormittag des 11. Juni 2020 hat der Nationalrat mit 132 Ja- zu 52 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen der Vorlage zugestimmt. Damit eingeschlossen, erlaubt der Nationalrat auch die Samenspende für lesbische Paare. Letzteres war noch vor den Wahlen von der vorberatenden Kommission abgelehnt worden. Quer durch alle Lager gab es Zustimmung für das Begehren. Hingegen lehnte die Fraktion der SVP die gesamte Vorlage ab, während die CVP sich letztlich nur gegen die Samenspende wehrte. Allerdings stimmten vor allem jüngere Parlamentarier und Frauen aus beiden Fraktionen der Vorlage zu.

Vergebens waren die eindringlichen Voten von Yves Nideregger (SVP/GE), der gemäss NZZ und SDA vom 11. Juni die geplante Zulassung der Samenspende als kritischen Trend für die gesellschaftliche Entwicklung bezeichnete. Nidegger mahnte an, weniger auf Juristen und mehr auf Biologen zu hören, die daran erinnern, dass ein Kind immer eine Mutter und einen Vater habe und dies von Juristen nicht bestritten werden könne. Drei Elternteile gäbe es nicht. Auch Nationalrätin Verena Herzog machte in Ihrem Votum auf die Spätfolgen dieser Praxis aufmerksam. Sie wies darauf hin, dass eine junge Erwachsene, die sie kenne und die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung zweier Frauen aufgewachsen sei, den Vater vermisst habe. Sie leide heute unter diesen Folgen.

Die Haltung des Bundesrates, welcher dem Rat zwar die Zustimmung zur «Ehe für alle» empfahl, jedoch den Zugang zur Samenspende ablehnte, wurde von Bundesrätin Karin Keller-Sutter dargelegt. Sie argumentierte mit dem verfassungsmassigen Anspruch auf Kenntnis der Abstammung. Im Rat fanden diese Voten kein Gehör. Auch als der Sprecher der Mitte-Fraktion (CVP/BDP/EVP) klarstellte, ihre Fraktion würde die Vorlage mit einer integrierten Samenspende ablehnen, blieb die Meinung im Rat unbeeinflusst. Alle Voten fanden ein Gegenargument. Der SP-Nationalrat Barrile erklärte, dass im Kanton Zürich, gemäss NZZ, jedes sechste Kind seine Abstammung nicht kennen würde. Ein anderes Ratsmitglied meinte, dass in einer Patchwork-Familie auch ein Elternteil fehlen würde. So war das Verdikt der Zustimmung in der Gesamtabstimmung keine Überraschung mehr.

Die Vorlage geht nun zur Behandlung in den Ständerat. Es besteht eine Hoffnung, dass dort die Zustimmung zur Samenspende auf Widerstand stossen könnte. Hingegen scheint die «Ehe für alle» bei den Standesvertretern nicht umstritten zu sein. Das bisherige Bild der Familie, bestehend aus Vater und Mutter und ihren Kindern, scheint in der Politik ihren Stellenwert verloren zu haben.

Ist das ein Grund zu verzagen? Nein, wir Christen müssen lernen, in einer freien und zunehmend säkularisierten Gesellschaft für unsere Position zu werben – und nicht über Einflussverlust zu klagen. Dass der Staat in einer Art Automatismus christliche Positionen übernimmt, ist lange vorbei. Deshalb stehen wir mit anderen gesellschaftlichen Werten und Gruppen in einem Wettbewerb. In diesem Wettbewerb sind wir von unserem Anliegen überzeugt – begegnen aber Andersdenkenden und Anderslebenden mit Respekt und glauben an die Kraft unserer Argumente.

 

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