En marche pour la vie - Bericht

Hundert Meter vom Ausgang der Metrostation „Denfert-Rochereau“ entfernt, befindet sich in einem grünen Gebäude der Eingang zu den Katakomben von Paris. Hier stapeln sich die sterblichen Überreste von Franzosen, die schon lange tot sind. Wer sich diesen Ausflug in die Pariser Unterwelt gönnen will, muss auch an einem regnerischen Sonntagnachmittag mit Wartezeiten bis zu einer Stunde rechnen. Die Warteschlange zieht sich am Rande des Place Denfert-Rochereau bis zur Metrostation hin und vermischt sich an diesem 19. Januar mit den tausenden von Demonstranten, die sich zum Marsch für das Leben formieren.

Zum neunten Mal in Folge mobilisierte das Komitee “en Marche Pour la Vie“, um den unschuldigen Opfern einer verfehlten Freiheitsbewegung eine Stimme zu verleihen.

Die Franzosen kommen in Scharen. 40’000 Teilnehmer zählen die Veranstalter, 10’000 die Polizei. Die Diskrepanz zwischen der Realität und dem, was das politische Frankreich hören und sehen will, könnte nicht grösser sein.

Etwas stimmt nicht in diesem Land, das merkt man sofort wenn man nach Paris kommt. Seit dem Aufschrei über die Einführung der Homo-Ehe findet man die Zeichen des Widerstandes gegen den Präsidenten überall: Plakate an Baustellenabschrankungen, Sticker auf Verkehrsschildern, der blaue Kapuzenpullover mit dem Logo der Manif.... François Hollande ist der zurzeit unbeliebteste Präsident Frankreichs. Sein Programm spaltet die Bevölkerung und es sieht nicht so aus, als ob ihn der eisige Wind, welcher ihm von seinen Landsleuten entgegenweht, von seinem Kurs abbringen könnte.

Langsam setzt sich die Kundgebung in Bewegung. Auf einem grossen Anhänger sind Lautsprecher montiert, aus denen laute Musik dröhnt. Die Stimmung ist gut. Der Marsch ist mehr grosses Familienfest als Prozession. Junge, Alte und ganze Familien füllen den Boulevard Raspil und marschieren über den Montparnasse in Richtung Les Invalides. Viele tragen ein rotes Halstuch, ein Zeichen der Solidarität mit Spanien, dessen konservative Regierung unter Mariano Rajoy ein Gesetz verabschieden will, das Abtreibungen einschränkt.

Dass die Äusserung dieser Überzeugung auf Widerstand stossen muss, erstaunt nicht. In einem Europa, das seine christlichen Wurzeln verleugnet, diktiert der linke Mob die öffentliche Meinung. Doch Bilder, wie man sie aus Deutschland und der Schweiz kennt, sucht man in Paris vergebens. Nicht einmal auf dem Montparnasse gruppiert sich Widerstand, sonst Treffpunkt der Gegendemo rund um die berüchtigten “Femen”.

Auf dem Place des Invalides steht eine Bühne. Die Verantwortlichen des Marsches bedanken sich bei den Teilnehmenden: “Dieser Marsch 2014 zeigt, dass die Hoffnung das Lager gewechselt hat. Die liberale Ideologie, die uns die Abtreibung als ein Recht aufzwang, ist jetzt auf dem Rückzug. Im Konflikt, der das Recht des gezeugten Kindes dem Recht der Frau gegenüberstellt, richtet sich der Fokus endlich auf das Schwächere: das gezeugte, ungeborene Kind. [...]”, sagt Cécile Edel, die Präsidentin von “Choisir la vie”, die den Marsch mitorganisiert.

Langsam wird es dunkel, der Platz leert sich und noch für einige Viertelstunden sieht man in der Metro die roten Halstücher der Demonstranten. Was bleibt, ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass hier etwas aufbricht, das die Einstellung der Europäer gegenüber dem Leben nachhaltig prägen wird und jene Katakomben schliesst, in denen auch wir seit Jahren namenlose Tote aufbahren.

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