Kürzlich war ich im Kino...

Von Urs Hunziker

Kürzlich war ich im Kino. Der neue Schweizer Film «Zwingli» führte mich abends nach Zürich. Im Gegensatz zu Martin Luther ist über Ulrich Zwinglis Leben wenig dokumentiert und bekannt. Luther hat in seine zahlreichen Schriften viel Persönliches hineingelegt und seine Zeitgenossen hinterliessen ein farbenreiches Bild vom Leben dieses Mannes. Von Zwingli gibt es nicht einmal ein gesichertes gemaltes Portrait, das zu seinen Lebzeiten entstanden ist. Ob bereits damals die schweizerische Zurückhaltung das Einbringen von allzu Persönlichem verbot? Um es auf den Punkt zu bringen: Der Film zitiert praktisch jedes Faktum, das man von Zwingli und seinem Wirken kennt. Er versucht leidlich, das alte Zürich und die Person Zwingli zum Leben zu erwecken. Und dennoch bleibt einem nach über zwei Stunden Abtauchen in die historische Kulisse nicht viel mehr als eine recht modern interpretierte Beziehungsgeschichte zweier Menschen haften – nämlich die von Ulrich Zwingli und seiner Frau Anna. Die historischen Ereignisse weichen dezent in den Hintergrund und verblassen zum samtenen Vorhang, der ein Melodram zweier suchender Seelen umhüllt. Diese suchen sich wie zwei Magnete, finden sich und bevor sie punktgenau und wirklich dauerhaft zusammenfinden, werden sie bereits wieder getrennt. Damit ist dieser Film zu dünn gestrickt, als dass er der historischen Bedeutung von Zwinglis Wirken gerecht werden könnte. Es bleibt die Erkenntnis, dass jede Zeit mit ihren eigenen Augen in die Geschichte blickt.

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