Lehrplan 21 – der Widerstand in den Kantonen wächst:

Am 7. November 2014 wurde der überarbeitete und leicht gekürzte Lehrplan 21 offiziell zur Einführung in den Kantonen freigegeben. Somit entscheiden nun – je nach Kanton – der Regierungsrat oder der Erziehungsrat, ob, wie und ab wann der Lehrplan 21 umgesetzt werden soll. Längst nicht alle Bürger, darunter auch Politiker und Lehrpersonen, sind mit dem Lehrplan 21 einverstanden. Dies aus unterschiedlichsten Gründen. Deshalb hat sich bereits in neun der 21 Deutschschweizer Kantone Widerstand formiert: diverse Motionen wurden eingereicht und/oder Volksinitiativen lanciert, welche sich für einen HarmoS-Austritt oder gegen die Einführung des Lehrplans 21 stark machen. Interessant ist, dass die Gegnerschaft zum Teil aus verschiedensten Parteien kommt. Obschon vor allem die SVP die Vorstösse initiiert, stellen sich auch Personen der CVP, GLP, EVP, EDU, FDP und Grünen gegen den Lehrplan 21. In der dadurch angestossenen Diskussion stellt sich schnell einmal die Frage:

Was ist der Zusammenhang zwischen Lehrplan 21 und dem HarmoS-Konkordat?

In den Medien und auf den Websites des Lehrplans 21 und HarmoS findet man unklare, teils widersprüchliche Aussagen darüber, ob ein HarmoS-Beitritt tatsächlich zu einer Einführung des Lehrplans 21 verpflichtet. Cft hat mit der D-EDK (Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweiz) diesbezüglich Kontakt aufgenommen und folgende Antwort erhalten: Ist ein Kanton Mitglied des HarmoS-Konkordat, ist er nicht daran gebunden, den Lehrplan 21 zu übernehmen. Doch alle Kantone sind seit einer Volksabstimmung im Jahr 2006 gemäss Verfassung dazu verpflichtet, die Bildungssysteme und -ziele zu harmonisieren – unabhängig davon, ob sie dem Hamos-Konkordat beigetreten sind, oder nicht. Wie diese Harmonisierung von nationalen Bildungszielen geschieht – und ob mit Hilfe des Lehrplans 21 – das entscheiden nach wie vor die Kantone individuell. Natürlich wäre eine Einführung des Lehrplans 21 für die kantonalen Bildungsdepartements sinnvoll und logisch, da die bislang wohl einzigen existierenden nationalen Bildungsziele von der EDK verfasst wurden, welche zugleich die Grundlage für die Kompetenzen des Lehrplans 21 bilden - wie auch für die geplanten neuen Lehrmittel.

Lohnt es sich…?

Auf den ersten Blick scheint es also wenig überzeugend, Vorstösse für einen Austritt aus dem HarmoS-Konkordat zu unterstützen. Dennoch würde man einerseits den Leuten, die sich via einer HarmoS-Austritts-Initiative gegen den Lehrplan 21 wehren, den Rücken stärken und anderseits würde man definitiv ein unübersehbares Zeichen setzen, wenn eine solche kantonale Initiative zustande kommt, denn anschliessend muss das Volk abstimmen. Weiter werden die Kantonsregierungen und die Erziehungsräte der einzelnen Kantone bereits im Vorfeld für den Widerstand gegen die geplanten Änderungen im Bildungssystem sensibilisiert.

Obwohl gemäss den Aussagen der EDK (verabschiedete das HarmoS-Konkordat) und der D-EDK (erarbeitete den Lehrplan 21) eine HarmoS-Mitgliedschaft nicht zur Einführung des Lehrplans 21 verpflichtet, sieht dies im Kanton St.Gallen ganz anders aus: Hier muss zufolge der Kantonsregierung zuerst ein HarmoS-Austritt stattfinden, damit nachher das kantonale Volksschulgesetz wieder entsprechend geändert werden kann, damit man die Einführung des Lehrplans 21 verhindern könnte… Deshalb läuft in dem Ostschweizer Kanton erst einmal eine Initiative für einen Austritt aus dem HarmoS-Konkordat. Eine zweite Initiative, die die Einführung des Lehrplans verhindern wollte, wurde von der St.Galler Regierung mit der genannten Begründung für ungültig erklärt. Die Initianten fechten dieses Urteil nun an.

Deshalb möchten wir Sie ermutigen, die kantonalen politischen „Gegenbewegungen“, sei es nun gegen den Lehrplan 21 oder gegen HarmoS, zu unterstützen. Denn: trotz leichten Textänderungen und der Streichung des Begriffs Gender - dank der Petition „Kein Gender im Lehrplan 21“ - sind gewisse Formulierungen nach wie vor im Sinne einer emanzipatorischen Sexualerziehung oder der Gender-Ideologie interpretierbar.

Die folgende Website enthält eine Übersicht über die kantonalen Vorstösse gegen den Lehrplan und/oder HarmoS. Auch Kontaktdaten der entsprechend tätigen Organisationen und Komitees, die sich gegen die Einführung des Lehrplans wehren, sind aufgelistet: http://nein-zum-lp21.ch/kantone/.

Und zu guter Letzt…

- Zum Thema Sexualkundeunterricht schreibt der Lehrplan in didaktischen Hinweisen zur Unterrichtsgestaltung: „Die Verantwortung für die Sexualerziehung liegt in erster Linie bei den Eltern und Erziehungsberechtigten. Sie werden informiert, wenn geplant ist, im Unterricht Themen anzusprechen, die als Eingriff in deren Erziehungsverantwortung wahrgenommen werden könnten.“ Das ist doch erfreulich! Liebe Eltern, machen Sie von dieser Aussage im Lehrplan Gebrauch. Vgl.: http://vorlage.lehrplan.ch/index.php?nav=160|20&code=e|6|2|13 (13.11.2014)

- Weiter heisst es in den Grundlangen über die Bildungsziele unter „Orientierung der Volksschule: […] Sie geht von christlichen, humanistischen und demokratischen Wertvorstellungen aus.“ Auch dafür können wir dankbar sein!

Quellen: NZZ, starke-schule-sg.ch, lehrplan.ch, u.a.

 

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