Seit Wochen hatte ein "Revolutionäres Bündnis Region Zürich" dazu aufgerufen, den "Marsch für s’Läbe" in Zürich zu stören. Trotz dieser Drohung sind am 17. September gemäss Schätzungen der Polizei ca. 1‘500 Personen zum 2. Lebensrechtsmarsch in die Zürcher Innenstadt gekommen.

Überkonfessioneller Gottesdienst unter Polizeischutz in der Schweiz! Diese Rarität gab es am letzten Samstag auf dem Zürcher Helvetiaplatz. Pfr. Michael Herwig, Schleife Winterthur, und Pfr. Roland Graf, kath. Kirche Unterägeri SZ, konnten ihre Kurzpredigt zum Thema Lebensrecht nur halten, weil Dutzende Polizisten den Platz hermetisch abgeriegelt hatten. Die Pfeif- und Schreiattacken der linksautonomen Chaoten jenseits der Polizeibarrikade hatten keine Chance, die Schlussfeier des Lebensrechtsanlasses zu stören. Eher das Gegenteil war der Fall: Gebete, Bekenntnisse, Loblieder und das Singen der Nationalhymne gewinnen vor feindlichen Reihen zusätzliches Gewicht. Es hätte auch anders kommen können.

Unerwartet gross war die Gruppe der Randalierer, die pünktlich zum Beginn der Veranstaltung in Richtung Helvetiaplatz marschierte. Umgehend starteten sie ihren Versuch, die Kundgebung niederzuschreien. Da sie gegen die professionelle Tonanlage der Veranstalter keine Chance hatten, drängten die Opponenten auf den Helvetiaplatz. Offenbar waren sie entschieden, die Kundgebung mit Gewalt aufzulösen. Doch ein entschiedener und kraftvoller Einsatz der Zürcher Stadtpolizei machte den feindlichen Attacken schnell ein Ende. Die Polizei drängte sie zurück. Bald wurden Tränengas-Petarden abgeschossen. Sogar ein Wasserwerfer kam zum Einsatz.

Derweil verlief die Kundgebung auf dem Helvetiaplatz in grosser Freude und Gelassenheit. Moderator und OK-Präsident Daniel Regli, Familienlobby Schweiz, erinnerte die Teilnehmenden zu Beginn der Veranstaltung an deren Zielsetzung. Der ‚Marsch für s’Läbe‘ sei ein Projekt, das in Gottes Auftrag die mit der Fristenlösung legitimierte Abtreibung in der Schweiz wieder verbieten wolle. Es könne für Christen nicht richtig sein, einfach zur Tagesordnung überzugehen, wenn jährlich mehr als 10‘000 Kindern das Recht verweigert werde, das Licht der Welt zu erblicken.  

Spezialthema 2011 war die durch den medizinischen Fortschritt forcierte Abtreibung behinderter Embryos und Föten. Gemäss Forderungen des Zeitgeistes solle es bald keine Menschen mit kostspieligen Behinderungen wie Down- Syndrom oder Spina bifida mehr geben. Gegen diese Form praktizierter Rassenhygiene fand die Kundgebung klare Worte und Bilder des Protests. Die Lebensberichte betroffener Personen waren berührend und überzeugend zugleich.

Die kleinwüchsige Kathrin Keller, Baar, erzählte von Schmerzen und Freuden eines Lebens mit einer offensichtlichen Behinderung. Die bald 50-jährige Sozialarbeiterin hat mehrere Jahre in einer Missionsarbeit auf den Philippinen zugebracht und wird Ende dieses Jahres wieder dorthin zurückkehren. Ungekünstelt berichtete sie von der Herausforderung ihrer Behinderung, vor allem in den Teenager-Jahren; aber auch davon, wie sie im Ringen mit Gott ein ‚Ja‘ zu ihrem Körper gefunden habe.

Danach folgte die Story von Priska Käser, Trimbach, die gemeinsam mit ihrem Mann zwei Mädchen mit einem Down-Syndrom adoptiert hat. Nicht etwa, weil sie keine eigenen Kinder haben konnten. Käsers hatten bereits vier eigene Kinder, als sie Gottes Auftrag erhielten, behinderte Kinder in ihre Familie aufzunehmen. Nun leben Joy (14) und Katja (9) seit ihrem ersten Lebensjahr bei Käsers. Kinder, die von ihren Eltern wegen deren Behinderung weggegeben wurden. Auch Priska Käser berichtete davon, dass die Betreuung und Erziehung von behinderten Kindern Herausforderungen kenne. Doch sei die Freude und Direktheit gerade von Menschen mit einem Down-Syndrom eine grosse Bereicherung für sie als Mutter, für die ganze Familie und für die Umwelt.

Beide Frauen betonten, dass Gott einen Plan damit habe, behinderte Menschen auf die Welt kommen zu lassen. Einerseits übertrage er den Mitmenschen dadurch eine Aufgabe, für Behinderte zu sorgen. Andererseits mache Gott der Umwelt durch offensichtlich Behinderte klar, dass alle mit behindernden Grenzen leben müssten. Es sei grundfalsch, sich dieser Aufgabe nicht zu stellen und behinderte Kinder im Mutterleib abzutreiben.
Trotz des Radaus und Kampfgeschehens im Hintergrund verlief die Kundgebung geordnet. Die Beiträge waren spannend und machten die Konzentration leicht. Professionelle Musiker wie Rapper Sent (Living Center Baden) und Mario Schaub & Band (Schleife Winterthur) bereicherten das Programm. Altnationalrat Christian Waber (EDU) motivierte danach die Teilnehmenden, für Veränderungen in der Gesellschaft nicht nur zu beten, sondern auch aktiv zu werden. Er habe eine berechtigte Hoffnung für eine bessere Zukunft der Schweiz, wenn Christen aufstehen und sich in Gesellschaft und Politik einbringen würden.

Der nachfolgende Marsch durch das Zürcher Stadtzentrum inklusive Bahnhofstrasse musste wiederum auf der ganzen Länge von massiven Polizeikräften begleitet werden. Die Organisatoren bedankten sich denn auch vor versammelter Schar für die gute Polizeiarbeit. Dass der kostspielige Aufmarsch dutzender Polizisten in voller Montur nötig geworden war, bedauern die Lebensschützer. Ein Anlass, der für das Lebensrecht eintritt, sollte dem Steuerzahler nicht horrende Kosten für Personal, Einsatzfahrzeuge, Wasserwerfer und Tränengas aufbürden. Dennoch beharrt die Trägerschaft (elf Organisationen aus einem gemischt politisch-kirchlichen Umfeld) auf ihrem Recht der freien Meinungsäusserung sowie auf dem Versammlungsrecht. Auch zum 10. Jahrestag der Fristenlösung im kommenden Jahr wollen die Lebensschützer wieder marschieren. Der ‚Marsch für s’Läbe 2011‘ hat sie motiviert, künftig noch entschiedener dafür zu kämpfen, dass die Menschen in der Schweiz wieder uneingeschränktes Lebensrecht geniessen dürfen.

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