Unverkennbar steuert der Wahlkampf für die National- und Ständeratssitze in die letzte Runde. Dementsprechend nimmt die Medienpräsenz der Parteien und Kandidaten zu. Nach der atomaren Katastrophe Anfang des Jahres prägt nun die wirtschaftliche Situation das Themenszenario.
Trotz der grossen Medienvielfalt stellt sich für viele die Frage: Wen soll ich überhaupt wählen? Viele sind über die Ergebnisse der Tagespolitik sehr enttäuscht, da sich ihrer Ansicht nach nicht viel verändert. Mancher Richtungswechsel wird nur langsam vollzogen – aber die Auswirkungen werden mit der Zeit deutlich spürbar.
Man erinnere sich an die Revision des Sexualstrafartikels, der die Referendumsabstimmung überstanden hat. Wenn man die Situation mit der Prostitution in Zürich, der grössten Schweizer Stadt, anschaut, muss man konsterniert feststellen, dass diese buchstäblich aus dem Ruder gelaufen ist.
Man hat einem Gleichstellungsartikel gleichgeschlechtlicher Paare zugestimmt und wundert sich nun, wenn Forderungen nach einer Anpassung des Adoptionsrechts laut werden.

Als Christen haben wir während der letzten vier Jahre eine bekennende christliche Fraktion vermisst, die in der vorherigen Legislaturperiode 03-07 möglich war. Es war einmalig, dass Vertreter von zwei christlich geprägten Parteien eine Fraktion bilden konnten. Durch den Verlust von zwei Mandaten war diese Zusammensetzung in den letzten vier Jahren nicht möglich. Das war äusserst bedauernswert, verstummte doch so eine Stimme, die sich klar für die christlichen Werte einsetzte.
Der Schutz der Ungeborenen und älteren Menschen sowie der Familie sind Themen, die wieder eine klare Stimme im Parlament benötigen. Wenn die Zahl der Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die sich für diese Werte einsetzen, auch klein ist, sind sie doch notwendig.
Ihr Einfluss ist oft nicht vordergründig – aber er ist vorhanden.
Darum sollte es unser Anliegen sein, dass Parteien und Kandidaten gewählt werden, welche sich für diese Werte einsetzen. Es wäre wunderbar, wenn wieder eine Fraktion mit bekennenden Christen zustande käme.

Das Mittel dazu liegt in der Hand von uns Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern. Nur wenn wir wählen gehen, nutzen wir dieses Potential aus. Nicht wählen heisst, die Möglichkeit der Mitbestimmung aus der Hand geben. Wenn wir als Christen schon die Möglichkeit haben, durch die Stimme einen Einfluss auszuüben, sollten wir diese ergreifen. Darum ist auch das Gespräch mit Nachbarn und Freunden empfehlenswert, um sie zur Wahlbeteiligung zu ermutigen. Je grösser der Mobilisierungsgrad der Christen ist, desto grösser ist auch ihr Einfluss. Die Möglichkeit zur Wahl dürfen wir als eine Freiheit betrachten, die uns Gott schenkt. Darum müssen wir sie verantwortungsvoll nutzen.

Kleine Wahlhilfe
Die folgenden Erklärungen gelten nur für die Nationalratswahlen.

Kumulieren:
Man kann eine Kandidatin oder einen Kandidaten bevorzugen, indem man einen Namen auf der Liste durchstreicht und den Namen der bevorzugten Person darüber schreibt. Ein Name darf maximal zweimal auf einer Liste stehen. Es dürfen aber nicht mehr Namen auf der Liste stehen, als der Kanton Mandate hat.
Beispiel: Wenn ein Kanton 12 Nationalratsmitglieder stellen kann, dürfen auch nicht mehr als 12 Namen auf der Liste stehen.

Panaschieren:
Man kann auch eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus einer anderen Liste auf der bevorzugten Parteiliste einfügen. Gleichzeitig muss jedoch eine Person auf der bestehenden Liste gestrichen werden. Man kann dies noch verstärken, wenn man den Namen ein zweites Mal aufführt. Dazu muss aber ein weiterer Name auf der Liste gestrichen werden.

Wichtig zu wissen:
Die Nationalratswahlen sind Verhältnis-Wahlen = Proporz-Wahlen. Eine Partei erhält nach ihrem verhältnismässigen Anteil an den Gesamtstimmen ihre Sitze.
Beispiel ein Kanton hat 10 Sitze zum Verteilen: Partei A hat 40% Stimmen = 4 Sitze, Partei B 30% = 3 Sitze, Partei C = 20% = 2 Sitze, Partei D 10% = 1 Sitz.
Nun erhalten bei der Partei A die 4 Kandidaten mit den meisten Stimmen die Sitze.

Beim Panaschieren schwächt man jedoch die Partei, die man wählen möchte. Wählt man Vertreter von anderen Parteien, bekommen jene auch die entsprechende Stimme.
Für die Verteilung der Mandate zählt in erster Linie der prozentuale Anteil der Stimmen, welche eine Partei erhalten hat. Dann bekommt die Person den Sitz, welche die meisten Stimmen erhalten hat.

Ständeratswahlen sind Mehrheitswahlen = Majorz-Wahlen.
Die Person ist gewählt, welche das absolute Mehr der Stimmen (50% + 1 Stimme) erhält. Die Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle. Erreicht kein Kandidat das absolute Mehr, wird in einem zweiten Wahlgang die Person gewählt, welche die meisten Stimmen erhält.

ww.smartvote.ch

Wer ist die Person, die meine Werte am besten vertritt?
Unter www.smartvote.ch wird auf dem Web eine Seite angeboten, auf der man die Möglichkeit hat, die Kandidaten zu suchen, welche zu den gestellten Fragen die eigene Haltung am besten vertreten. Zu beachten ist die Gewichtung der Fragen.
Der umfangreiche Fragenkatalog bietet die Möglichkeit, eine gute Selektion zu erhalten.
Für Unschlüssige kann diese Wahlhilfe eine Unterstützung für die Entscheidungsfindung sein. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass nicht alle Kandidierenden eines Kantons in der Auswahl vertreten sind. Deshalb kann die Vollständigkeit nicht garantiert werden.

Informiert bleiben!