In der Stadt Zürich ist Strassenprostitution zu einem offensichtlichen Problemfall geworden, der den städtischen Behörden über den Kopf gewachsen ist. Der Stadtrat hat das Polizeidepartement mit der Ausarbeitung einer neuen Prostitutionsverordnung beauftragt, welche die Situation entschärfen soll.

Begünstigt durch die Personenfreizügigkeit, sind vor allem aus Osteuropa Frauen nach Zürich gekommen oder gebracht worden, die nun auf dem Strassenstrich tätig sind. Katastrophal ist der Zustand, weil sich anscheinend auch Minderjährige auf der Strasse verkaufen. In verschiedenen Zeitungsberichten wurden die tragischen Zustände geschildert, die auch Folgen für die betroffene Bevölkerung haben. So berichtete die NZZ (4. Mai 2010) von einem Zürcher Unternehmer, Vater von drei Töchtern, der sich zusammen mit anderen Kollegen an der Finanzierung von privaten Sicherheitsleuten beteiligt, um den Strassenstrich im Bereich Tiefenbrunnen einzudämmen. Den Immobilienunternehmer beelendet das Schicksal der betroffenen Frauen, die oft in unwürdigen Umständen leben müssen. Er weist auch auf den Umstand hin, dass in Zürich ansteckende Krankheiten wieder auf dem Vormarsch sind, die bis vor kurzem als praktisch ausgerottet galten.

Gemäss M. Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, stammten von den 795 Frauen, die im Jahr 2009 in die Prostitution einstiegen, 314 aus Ungarn (NZZ, Nr.103, 6. Mai 2010). Sie stellten die weitaus grösste Gruppe unter den ausländischen Frauen dar. Wie viele Frauen sich in Zürich als Prostituierte betätigen, konnte er nicht beziffern. Fachstellen, die im Umfeld der betroffenen Frauen tätig sind, befürchten einen weiteren Zustrom von Frauen aus Rumänien und Bulgarien.
Diese Aussagen wurden in einer „Dok“-Sendung, die am 01.07. 2010 vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlt worden ist, unterstrichen. Neben den menschenunwürdigen Umständen der betroffenen Frauen wurde auch die hässliche Seite des Menschenhandels beleuchtet. Die Polizei hat es aufgrund der massiven Einschüchterung der Opfer schwer, diese Fälle aufzudecken. Durch rohe Gewalt und Gefahr für Leib und Leben werden die Opfer zum Schweigen gezwungen. Es ist unvorstellbar, was für Zustände unter den Augen der Obrigkeit geduldet werden. Dabei haben Bürgerinnen und Bürger selbst durch Urnenentscheide die Zustände ermöglicht, deren wir heute nicht mehr Herr werden. Unsere Rechtsprechung hat sich durch ihre Perfektion selbst die Zähne gezogen, wirksam gegen die Missstände vorzugehen.

Die bundesrätliche Anerkennung der Europakonvention, welche die Prostitution für Minderjährige verbietet, ist zwar ein längst fälliger Schritt, doch schafft sie nicht wirklich Abhilfe. Vor Annahme der Konvention war in der Schweiz die Prostitution ab 16 Jahren zugelassen.

In einer Pressemitteilung, die in der Aprilausgabe des Standpunkts abgedruckt worden ist, verlangte die EDU des Kantons Zürich zum geplanten Prostitutionserlass, den die Stadt Zürich ausarbeiten will, dass der Schutz der betroffenen Frauen und ihr Ausstieg aus der Prostitution das Ziel einer gesetzlichen Regelung sein müssten. Sie fordert eine öffentliche Kampagne analog der Raucherprävention „Rauchen ist tödlich“ gegen den Frauenhandel mit dem Motto „Wer Prostituierte aufsucht, fördert den Frauenhandel, die Ausbeutung, die Demütigung von Frauen und die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten“. Als mutig und konsequent darf die EDU-Forderung nach einer Registrierung der Freier bezeichnet werden.

Es ist ein Umdenken in unserer sexualisierten Gesellschaft gefordert. Der als Befreiung von Zwängen propagierte Lebensstil schuf eine neue Art von Sklaverei durch den mit der Migration verbundenen Frauenhandel. Die Prostitution muss geächtet werden und darf nicht durch gesetzliche Regelungen weiter institutionalisiert werden. Im Buch Hiob wird das erzwungene Prostituieren der eigenen Frauen unter fremde Männer als Folge eines gottfremden Lebens genannt (Hiob 31:9‑10). Darum muss das Problem der Prostitution als Ganzes angegangen werden, auch wenn es als „das älteste Gewerbe“ betitelt wird. Die durch die Revision des Sexualstrafrechts ermöglichte Zulassung von Zuhälterei und Bordellen ist zu korrigieren. Die Strichzonen sind aufzuheben und der Strassenstrich muss unterbunden werden. Die Prostitution durch Mann oder Frau darf nie als Arbeit gelten, sondern ist als Ausbeutung und Erniedrigung zu taxieren. Unsere Gesellschaft sollte andere Perspektiven haben als diese verlogene Anmache vom schnellen Geld und käuflichen Vergnügen.

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